SEQUÈNCES CHROMATIQUES  (1974–2011)

Besonders mittels seines Hauptwerks, den „Séquences Chromatiques“, die der Künstler 1974 begonnen hatte und mit deren Weiterentwicklung er sich bis ca. 1998 leidenschaftlich beschäftigte, verfolgte Christian Roeckenschuss seinen eigenen Weg innerhalb der nicht-gegenständlichen Kunst.


Es gab zwar in Ansätzen ähnliche zeitgleiche Konzepte, wie beispielsweise das des Berliner Künstlers Arnulf Letto (ohne, dass hier gegenseitige Einflüsse erkennbar wären), doch ist anzunehmen, dass die Inspiration zu den „Séquences Chromatiques“ wohl von dem Schweizer Künstler Richard Paul Lohse ausging. Lohse hatte schon Ende der 1940er Jahre mit Reihenelementen von Farbstreifen experimentiert und dabei Phänomene wie Farbbewegungen (Pulsation) und kinetische Effekte sowie Scheinräumlichkeiten experimentell erkundet.


Roeckenschuss‘ Verbindung zu Richard Paul Lohse ist mindestens seit 1974 durch die Berliner Künstlervereinigung Konkreter Kunstschaffender nachweisbar. Diese Gruppe mit dem Namen „Systhema“, in der Christian Roeckenschuss von Anfang an Mitglied war, wurde engagiert von Richard Paul Lohse unterstützt und gefördert. Lohse war ihr Wegbereiter und mit den Künstlern der Vereinigung befreundet.


Die „Séquences Chromatiques“ entstehen auf der Grundlage der Collagetechnik. Meist liegen die Farbstreifen technisch-präzise, makellos und passgenau nebeneinander und jedes größere Bild wird vorbereitet durch einen kleinformatigen Entwurf.


Zwischen 1974 bis zu seinem Lebensende wird Christian Roeckenschuss das Ausloten der wahrnehmungspsychologischen Aspekte der Farbe – und das Ausloten ihrer räumlichen, illusionistischen, symbolischen, spirituellen und ästhetischen Qualitäten – ein unerschöpfliches Arbeitsfeld. Mathematisch präzise baut er seine Arbeit in einem geistigen Prozess von Ordnung, Klarheit, Rhythmus und Poesie auf. Heitere und romantische lebensbejahende Aspekte klingen in seinem Werk an, aber auch melancholische und bedrohlich ahnungsvolle. Neben der Poesie ist es vor allem die Musik, die Roeckenschuss‘ Werk beeinflusst. Und auch Op-Art-Phänomene schwingen mit, beispielsweise wenn Roeckenschuss‘ Streifenbilder Farbbewegungen und Raumtiefen erzeugen und der Betrachter meint, eine pulsierende irisierende Malerei vor sich zu haben, deren architektonische Elemente wie Säulen oder Durchgänge ihn in das Bild hineinziehen. Roeckenschuss steigert die Farbwirkung seiner Bilder teilweise fulminant – er erzeugt Wirkungen, die spirituelle und auch mystische Dimensionen hinter der rationalen Wirklichkeit aufscheinen lassen.

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